Dienstag, 1. September 2009

Symmetrie der Geschlechter

Männer und Frauen sind gleichwertig, aber nicht gleich. Und das ist auch gut so. Was vielen Frauen mißfällt ist die häufige Übereinstimmung der allgemeinen mit der speziell männlichen Form eines Wortes. Sie fühlen sich nicht angesprochen, wenn von Rednern, Studenten oder Teilnehmern die Rede ist.

Es ist aber auch zu verzwickt: Angela Merkel ist zwar die erste deutsche Bundeskanzlerin, zugleich aber auch der achte Bundeskanzler. Ihren Nachfolger, falls männlich, trifft es noch härter: er wird der achte (männliche) und neunte Kanzler in Personalunion sein. Und das alles nur, weil die deutsche Sprache zwar häufig eine weibliche (-in), aber nur selten eine speziell männliche Form (z.B. Bräutigam) kennt.

Im hispanischen Sprachraum fällt der Umgang mit den Geschlechtern leichter, zumindest manchmal. La novia ist die Braut und el novio ihr Bräutigam. Beide zusammen nennt man los novios, Brautleute, und sieh da, es gibt auch im Spanischen eine Asymmetrie zugunsten der Männer! Hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Oder man überläßt die Unterscheidung ganz einfach dem Artikel: el oyente - der Hörer, la oyente - die Hörerin.

Wie einfach das panlinguale Leben doch sein könnte, legte man sich darauf fest, daß -a die weibliche und -o die speziell männliche Variante eines Wortes bilden, während ein -e oder schlichtweg gar kein Endvokal als indifferent gelten: lectoro - der Leser, lectora - die Leserin, lector - eine lesende Person gleich welchen Geschlechts.

Freitag, 28. August 2009

Präfixe und Suffixe

Jeder weiß es: anti- vor einem Wortstamm kennzeichnet eine Gegenaktion, semi- heißt halb, -ismus steht für ein Prinzip, multi- bedeutet viele, bei pre- passiert etwas vorher und bei post- danach, Verlaufshandlungen enden auf -ion (Inspektion) und deren Ausführende auf -or (Inspektor). Es sind Dutzende solcher Vor- und Nachsilben gebräuchlich, die folgenden Wikipedia-Seiten mögen Orientierung bieten:

- Griechische Präfixe und Suffixe
- Lateinische Präfixe und Suffixe

Oft sind mehrere Formen mit annähernd gleicher Bedeutung im Umlauf, bei dem einen Wort wird typischerweise die eine und beim anderen die andere bevorzugt: atonal beschreibt einen Mißklang, mit intonal wäre dasselbe ausgedrückt, aber in- steht auch für etwas einführen (in diesem Beispiel einen Ton, sprich: intonieren). Auf der anderen Seite kann das Gegenteil von aktiv natürlich nicht aaktiv lauten, hier paßt in-aktiv besser.

Dienstag, 25. August 2009

Interwestliche Sprachkonventionen

Jedem, der fremde Länder bereist und sich für Sprachen interessiert, dürfte schon einmal aufgefallen sein, daß viele Wortstämme und Ableitungen sich in den westlichen Weltsprachen gleichen oder zumindest eine gemeinsame Wurzel erkennen lassen – und es werden immer mehr.

Dieser Blog unternimmt den Versuch, typische Elemente des interwestlichen Vokabulars zusammenzutragen und im Idealfall zu Sätzen zusammenzufügen, die von jedem sprachlich hinreichend Bewanderten verstanden werden, egal ob er nun englisch, französisch, spanisch, italienisch oder deutsch als Mutter- oder Fremdsprache gelernt hat.

Der Blog-Autor ist ein Panlinguisto, denn:
Lingue ist das interwestliche Wort für Sprache
pan- als Präfix bedeutet umfassend, übergreifend
-ist steht für eine Person, die etwas regelmäßig tut.
-o definiert das Geschlecht dieser Person.